Als schwarz gekleidetes Federchen kam sie auf die Bühne des Prinzregententheaters, dünn auf hochhackigen Schuhen setzte sie sich an das noch riesiger als sonst scheinende Instrument. Und begann mit Bach.
Sie rockte
seine Toccata in e-moll, wer weiß, was sie schon mit viereinhalb Jahren damit gemacht hat. Da gab Alexandra Dovgan bereits ihr erstes Konzert.
Unter ihren heute 18jährigen Händen wachten Schubert und Chopin danach ganz neu auf und rieben sich die Augen, wer da so stürmisch über sie verfügte, sie trieb, einbremste, wieder los jagte, mit jugendlicher Chuzpe durch ihre altehrwürdigen Noten stürmte.
Das Pedal
schrie auch manchmal unter ihren High-Heels auf, so heftige Tritte war es bei diesen Werken nicht gewöhnt, nahm sie aber errötend in Kauf, es muss ja auch mal etwas neu sein unter dem Flügel, und noch unerlebt. Nur in den langsamen Passagen - einem wundervollen Largo bei Chopin, einem Impromptu von Schubert als Zugabe - durfte es sich ausruhen, wartete aber heimlich drauf, den nächsten Tritt zu erhalten. Auch Pedale eines Flügels haben heimliche Sehnsüchte.
Das Publikum
feierte die junge Künstlerin, die Dame neben mir meinte lauthals, Frau Dogvan soll sich mal Horowitz oder Rubinstein anhören, vielleicht hat sie vergessen, dass es die beiden Urgesteine schon lange nicht mehr gibt.
Jung wie die Pianistin
klang die Musik aus den vergangenen Jahrhunderten, swingend und rockig Bach, schmelzend und zerbrochen und verzweifelt Schubert, wildromantisch, überbordend Chopin. Und was kümmert mich da ein etwas malträtiertes Pedal.
text u bilder:(c)krista posch

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