krista posch
krista posch

 

 

 

„ALPENROSEN“  Jahresschrift für Frauenkultur 2014

 

Spielen oder Nicht-Spielen, das ist hier die Frage. Frei nach Shakespeare. Ihre erste Rolle war der Frühling. Im Kindergarten in Bozen. Inzwischen ist sie im Spätsommer ihres Lebens und nach wie vor neugierig darauf, was man alles daraus und damit machen kann.

 

Eine Ihrer ersten wichtigen Rollen war die weibliche Hauptfigur in Arthur   Schnitzlers Romanverfilmung „Der Weg ins Freie“ von Karin Brandauer. Da waren Sie noch am Reinhardt-Seminar. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen?

- Es war sehr einfach. Ich wurde von Karin Brandauer angerufen, wir haben uns getroffen und Gefallen aneinander gefunden. Es wurde eine sehr angenehme und professionelle Zusammenarbeit mit ihr und meinem Filmgeliebten Klaus Maria Brandauer. Es war ein Geschenk, dass ich diese Rolle spielen durfte.

 

Die Schnitzler-Frauenfiguren liegen Ihnen wahrscheinlich. Haben Sie weitere Schnitzler-Frauen gespielt im Film oder auf der Bühne?

- Ich habe nachher keinen Schnitzler mehr gespielt. Auch nicht am Theater. Das ist an mir vorbeigegangen. Es gibt immer vieles, das man nicht gespielt hat. Die Rollen suchen einen. So bekommt man sie.

 

Es war sicher keine leichte Entscheidung, den Brotberuf in Bozen und die Familie hinter sich zu lassen, um in Wien die Schauspielschule zu besuchen?

- Es musste für mich so sein und es war damals wohl erst der „richtige“ Zeitpunkt. Vorher gab es in meinem Leben andere Prioritäten und ich möchte gar nichts missen. Das Theaterspielen war allerdings immer schon wichtig und da. Es hat mich seit den Kindertagen begleitet. Es dauerte nur länger, daraus meinen Beruf zu machen.

 

Hat es Mut gebraucht für diese Entscheidung?

- Für mich war es kein Mut, sondern eine natürliche Notwendigkeit - nennen wir es einmal so. Der Schritt war auch mit Schmerzen verbunden; denn so einfach geht man nicht weg aus seinem privaten Leben. Aber ich war überzeugt, dass es mehr geben muss als die Tage im Sprecherstudio bei der RAI und das Nebenbei-Theaterspielen. Ich wollte nicht mehr nur träumen vom Beruf als Schauspielerin, sondern es machen. Deshalb habe ich mich nach Schauspielschulen erkundigt, obwohl ich für die Aufnahme bereits zu alt war. 25 Jahre sind die übliche Altersbeschränkung. Für die Aufnahmeprüfung am Max-Reinhardt- Seminar hab ich mein Geburtsjahr einfach nicht angegeben. Man hat mich erst direkt vor der Prüfung danach gefragt, alle waren sehr verblüfft, als sie mein Alter hörten, und umso aufmerksamer.

Meine Aufnahme war eine echte Ausnahme. An die Zukunft habe ich nicht gedacht.. Das Wichtigste war, den Schritt aus dem Traum heraus gemacht zu haben. Wenn ich es nicht ins Seminar geschafft hätte, wär ich erst mal wieder zur RAI gegangen. (lacht)

 

Haben Sie in diesem Beruf gefunden was Sie gesucht haben ?      

- Ich weiß nicht was ich gesucht habe. Im Licht stehen wollen gehörte sicher dazu am Anfang. Rollen sind Möglichkeiten von Lebenswegen. Fremde Leben leben. Menschen berühren, ihnen etwas von ihnen selbst zeigen. Jede Rolle sind wir alle.

 

- Ich habe gelesen, dass Sie ratsuchenden Menschen eine Begleitung anbieten. Wie hat man sich diese Beratung beziehungsweise Begleitung vorzustellen?

Ich kann einen Menschen, der sich fragt, warum er immer in die gleichen Fallen tappt und der ahnt, dass es etwas anderes geben muss, als sich im Hamsterrad „aufzukrauten“, spüren lassen, dass er sein Leben auch neu betrachten kann.

 

 

Sie selbst üben ja sehr abwechslungsreiche Tätigkeiten aus, Sie haben zum Beispiel neben der Arbeit für das Theater immer wieder in Fernsehfilmen unterschiedlichster Art gespielt…

- Ja, alle Krimi-Serien rauf und runter . Und Fernseh-Filme. Der letzte war ein schwedischer Film. Ich habe es genossen, zwischen den Drehtagen in Schweden herumzufahren und zu -wandern. Wenn so nebenbei auch noch ein Film dabei herauskommt, umso besser. (lacht)

 

Arbeit fürs Fernsehen bringt Bekanntheit mit sich. Freuen Sie sich, wenn man Sie auf der Straße erkennt?

- Oft wissen Leute nicht, wo sie mein Gesicht einordnen sollen. Da „kennen“ sie mich von der Arztpraxis bis zur Supermarktkasse. Ich sage dann manchmal lächelnd, dass ich inzwischen den Posten gewechselt hätte. Eher erkennen mich in München Theaterzuschauer. Wenn jemand auf der Straße mir sagt, dass ihn eine bestimmte Rolle sehr berührt hat, finde ich das schön. Aber das Angesprochenwerden hält sich in sympathischen Grenzen.

 

Gutes Aussehen und Jugend sind ein großes Kapital für eine Schauspielerin. Wie schwierig ist das Älterwerden?

- Irgendwann wird es dünner mit den Angeboten. Ich weiß das auch von vielen Kolleginnen. Selbst wenn Verfasser von Drehbüchern Frauenrollen schreiben, die Kinder und Enkelkinder haben, wird das Alter dieser Frauen von den Fernsehredakteuren oft knallhart heruntergesetzt. Kolleginnen, die ausschließlich Fernsehen machen, können ab einem bestimmten Alter nicht mehr davon leben. Auch am Theater gibt es dann weniger Rollen. Im festen Ensemble braucht ein Theater nicht mehr als eine oder zwei ältere Schauspielerinnen. Es ist ab einem bestimmten Alter auch Glückssache, als Gast an ein Theater geholt zu werden. Das passiert nur dann, wenn ein Regisseur mich unbedingt will, obwohl es im Ensemble jemanden Passenden gäbe oder wenn eine von den fest Engagierten bereits in einem anderen Stück im Haus besetzt ist. Vielseitigkeit ist für mich in diesem Beruf immer das A & O gewesen. Ich mache z.B. zusätzlich immer noch gerne viel Radio: Hörspiele, Features, Lesungen, vor allem für den Bayrischen Rundfunk und den WDR.

 

Sie haben auch viele Hörbücher gemacht. Mit Ihrer Stimme scheinen Sie die Menschen zu berühren. Ich habe irgendwo gelesen, dass sich jemand Ihrer Stimme wegen ein Hörbuch x-mal anhört. Die Stimme ist sicher ein großes Kapital?

- Das ist sie. Die Stimme ist etwas, das einen Menschen sehr ausmacht. Sie bringt den ganzen Körper zum Schwingen und das überträgt sich auf das Gegenüber. So habe ich das auch bei meinen Gesangsabenden wahrnehmen können. 

 

Haben Sie viel an Ihrer Stimme gearbeitet?

- Nach der Schauspielausbildung, während der ich manchmal dachte, ich verlerne noch das Sprechen (lacht) bin ich regelmäßig zu einer amerikanischen Gesangslehrerin in München gegangen, wenn ich auf der Bühne wieder singen durfte. Sie hat mir dabei geholfen, diese meine natürliche Gabe zu schützen.

 

Derzeit synchronisieren Sie immer wieder Charlotte Rampling. Das ist auch eine spannende Herausforderung. Wie ergeht es einem, wenn man dann im Kino dem Spiel einer anderen Person zuschaut, die mit der eigenen Stimme spricht?

- Meist vergesse ich, dass das meine Stimme ist. Das ist für mich dann ein Zeichen, dass ich gut gearbeitet habe. Das Synchronisieren selbst ist schon ziemlich absurd: Man muss eine Situation „zeigen“, und hat dafür nur die Stimme und keine Mimik, keine Augen. Ich synchronisiere nicht mehr sehr oft. Eigentlich nur mehr Charlotte Rampling. Es ist inzwischen wegen des Zeitdrucks meistens eine sehr anstrengende Arbeit.

 

Kann man das Synchronisieren lernen?

- Ich glaube nicht. Es gibt Vieles, das man nicht lernen kann. Es kann eine Begabung geweckt werden, die schon in einem steckt. Oder man sagt sich: Das könnte ich mal versuchen. Wenn man immer in der gleichen Spur bleibt, hat man eh keine Chance mehr, Neues zu erfahren und das ist ja schrecklich langweilig. (lacht)

 

Gab es alptraumhafte Momente in Ihrem Schauspielerdasein?

- Na ja, ich habe mal erlebt, dass ich in der Garderobe sitze und höre, wie der Inspizient die Kollegin aufruft, mit der ich spielen soll, und sie ist nicht da. Oder der Spielpartner hat ein Blackout und macht nur sinnlose Mundbewegungen. Da rettet einzig und allein höchste Konzentration, Humor und Improvisieren. Aber viel schlimmer als solche kurzen Schrecken ist das Gefühl, eine Inszenierung stimmt nicht und man muss trotzdem jeden Abend durch die Vorstellung. Das ist erschöpfend und frustrierend.

 

Wie schützen sie sich vor Erschöpfung?

- Wenn ich mit dem einverstanden bin, was ich mache und vor allem, wenn ich es ganz mache, ist die Erschöpfung nicht schlimm. Da erhole ich mich rasch wieder. Schauspielen kann aber körperlich und psychisch sehr anstrengend sein. Manchmal ist es nicht leicht aus einer Rolle wieder herauszukommen, vor allem nach langer Probenzeit. Der Leistungsdruck ist meist groß. „Es bringen“ müssen. 2-3 Stunden Höchstleistung auf der Bühne. Es überwiegt inzwischen bei mir aber die Freude am immer neuen Austausch mit Partner und Publikum während jeder Vorstellung. Das kann  mich durch einen Abend fliegen lassen. Selbstverständlich nehme ich meine Arbeit ernst, aber ich muss mir und anderen nichts mehr beweisen. 

 

Sie haben an allen großen Theatern in München gespielt, am Residenztheater, an den Kammerspielen und am Volkstheater. Gibt es ein Lieblingsstück oder eine Rolle, die Sie besonders gern mochten?

- Shakespeares Rosalind, Brechts Shen-Te... Ich hatte das Glück, dass die Lieblingsrolle eigentlich immer die war, an welcher ich gerade arbeitete. Das geht gar nicht anders. Man hat ja zugesagt, weil die Rolle in einem „tilt“ gemacht hat. Auch das muss nicht immer gut ausgehen, es kann im Dialog mit dem Regisseur Schwierigkeiten geben. Dann ist die Probenzeit sehr nerven-zehrend. Aber zum Glück ist mir das nur ein - zweimal  passiert in meinem ganzen Theaterleben.

Was ich besonders gern mochte, war der Liederabend von Franz Wittenbrink an den Münchner Kammerspielen: „Die Welt wird schöner mit jedem Tag“, ein Ensemblestück, das aus Liedern besteht. Als das Angebot kam, hab ich mich dran erinnert, dass ich als 17-Jährige für die Bozner „Kleine Experimentierbühne“ ein Stück gesungen/gespielt habe, das nur aus sogenannten Küchenliedern bestand. Das war gewissermaßen mein eigener Wittenbrink, lange bevor es die Idee Wittenbrinks von seinen szenischen Liederabenden gab. (lacht)

 

Singen ist immer wieder ein wichtiges Thema für Sie. Sie haben Brecht-Abende gesungen und erotische Lieder…

- Singen ist mir fast noch wichtiger als Spielen. Schon wieder die Stimme. Ich bin dankbar für sie . Meine Gesangsabende haben die Zuschauer erheitert und berührt. Was will man mehr .

 

Sie haben teilweise die Liedtexte dazu selbst    verfasst. Schreiben sie öfter?

- Irgendwann mal hab ich angefangen Liedtexte zu schreiben, Musiker kamen plötzlich auf mich zu, es entstand das Programm „Erogene Zone“, auch mit Piazzolla-Liedern, Schubert, und amerikanischen Standards. Zuletzt entstand der Abend „Heut verschenk ich meinen Mann“ , den vor allem die weiblichen Zuschauer sehr mochten (lacht). Lauter selbstverfasste Texte. Wenn ich aufs Schreiben eingestellt bin öffnet sich eine Art Kanal und die Worte fließen richtig daher. Es ist wie im Leben: Wenn man etwas wirklich machen will kommt Hilfe.

 

Da Sie so vielseitig unterwegs sind, könnte es durchaus sein, dass Sie auch malen oder zeichnen…

- Ich habe viel gezeichnet. Auch jetzt mach ich manchmal Zeichnungen zu irgendeinem Anlass, die ich dann verschenke. Ich bin experimentierfreudig. Wer weiß, was ich noch alles ausprobiere (lacht)

 

Inzwischen hat sich das Theater in Bozen professionalisiert. Würden Sie gerne eine Rolle übernehmen? Wurden Sie gefragt?

- Ausschließen tu ich nichts. Ich wurde gefragt, aber es war nicht das Richtige dabei für mich. Ich werde auch immer wählerischer. Ich muss sehr einverstanden sein, wenn ich mich wochenlang binde.

 

„Wenn ich mir was wünschen dürfte…“ Was würden sie auf diese Frage antworten?

- Ich wünsch mir, dass ich mit dem, was auf mich zukommt, gut umgehen kann. Dass ich berufliche Angebote oder Begegnungen, die mich freundlich anschauen, als solche erkenne. Dass es mir gelingt, in schwierigen Dingen, die ich machen muss, etwas zu finden, das leicht ist.

 

Und für das Theater?

- Ich will nicht noch etwas ganz Bestimmtes spielen. Vielleicht muss ich nicht mehr spielen. Vielleicht spiele ich mein Leben.

 

 

(Die Fragen stellte Margit Oberhammer)

 

 

 

 

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